Was tun bei einem Bandscheibenvorfall

Was tun bei einem Band­schei­ben­vor­fall und Band­schei­ben­vor­wöl­bung?

Atlastherapie Ulm | Thomas Heiler | der Atlasexperte

Bevor erklärt wird, was eigent­lich ein Band­schei­ben­vor­fall bzw. eine -vor­wöl­bung ist, folgt hier ein kur­zer Blick hin­ter die ana­to­mi­schen Kulis­sen: Eine Band­schei­be besteht grund­sätz­lich aus zwei Tei­len – dem äuße­ren Faser­ring und dem inne­ren Gal­lert­kern. Sie ent­hält Flüs­sig­keit, wodurch sie als eine Art Puf­fer zwi­schen den ein­zel­nen Wir­bel­kör­pern fun­giert – denn genau das ist der Job einer Band­schei­be. Wird Druck auf die Band­schei­ben aus­ge­übt – durch Bewe­gung, durch Ste­hen, durch Fehl­be­las­tun­gen etc. – ent­weicht die Flüs­sig­keit. Nachts, wäh­rend wir schla­fen, fül­len sich die Flüs­sig­keit­de­pots der Band­schei­be wie­der auf. Neben Faser­ring und Gal­lert­kern sei an die­ser Stel­le auch das hin­te­re Längs­band (Liga­men­tum lon­gi­tu­di­na­le pos­te­ri­us) erwähnt. Es ver­läuft über alle hin­te­ren Flä­chen der Wir­bel­kör­per, in Angren­zung an die ein­zel­nen Faser­rin­ge, und klei­det den Wir­bel­ka­nal somit in sei­nem vor­de­ren Bereich aus.

Nun zurück zum The­ma: Bei einem Band­schei­ben­vor­fall (oder auch Dis­cu­s­pro­laps, Dis­cus­her­nie, Band­schei­ben­pro­laps oder Nucleus pul­po­sus pro­laps (NPP)) han­delt es sich um die Ver­la­ge­rung des Band­schei­ben­kerns mit einem kom­plet­ten Riss des Faser­rings und ggf. auch des Längs­ban­des (Liga­men­tum lon­gi­tu­di­na­le pos­te­ri­us), was zum Aus­tre­ten des Band­schei­ben­ma­te­ri­als in den Wir­bel­ka­nal führt. Dadurch kann es zur Kom­pres­si­on von Ner­ven kom­men, was häu­fig die erwähn­ten Sym­pto­me aus­löst. Bei der Vor­stu­fe des Band­schei­ben­vor­falls, der Band­schei­ben­vor­wöl­bung (Dis­cus prot­rusi­on), ist der Kern ver­la­gert und es bestehen ggf. nur klei­ne Ein­ris­se des Faser­rings sowie ein intak­tes Längs­band. Dadurch kann sich das Gesamt­ge­bil­de „Band­schei­be“ in dem betrof­fe­nen Bereich ver­schie­ben – bzw. vor­wöl­ben – und eben­falls Druck auf Ner­ven aus­üben.

Ursa­chen für sol­che Ver­än­de­run­gen an den Band­schei­ben sind meist län­ger anhal­ten­de Fehl­be­las­tun­gen der Wir­bel­säule. Hier­zu gehö­ren vor allem sta­ti­sche Wir­bel­säu­len-fehl­stel­lun­gen, wie sie z.B. durch einen fehl­ro­tier­ten Atlas aus­ge­löst wer­den kön­nen.

Hin­ter­grund: Der Atlas ist der ein­zi­ge Wir­bel, der kei­ne Band­schei­be besitzt. Die ers­te Band­schei­be sitzt zwi­schen dem zwei­ten und drit­ten Hals­wirbel. Dies ermög­licht es dem Atlas, eine Bewe­gungs­frei­heit von ca. 40° Rotation[1] zu jeder Sei­te – also ca. 80° Rota­ti­ons­frei­heit ins­ge­samt – auf dem zwei­ten Hals­wirbel zu haben. Als Ver­gleich: Die Len­den­wir­bel­säu­le bie­tet ledig­lich 2–3° Rotation[2] zwi­schen zwei Wir­beln pro Sei­te, d.h. 4–6° in Rota­ti­ons­rich­tung ins­ge­samt. Dies macht den Atlas zum beweg­lichs­ten Wir­bel der Wir­bel­säule und damit zum Diri­gen­ten der gesam­ten Sta­tik der Wir­bel­säule in abstei­gen­der Rich­tung. Natür­lich kann auch z.B. eine Becken- oder Fuß­fehl­stel­lung zu einer anhal­ten­den, auf­stei­gen­den Pro­ble­ma­tik der Wir­bel­säule füh­ren, nebst vor­han­de­nen fas­zia­len Ver­kle­bun­gen, wie sie z.B. durch Nar­ben, Ope­ra­tio­nen oder Ver­let­zun­gen ent­ste­hen kön­nen.

Jeg­li­che Ver­wrin­gung der Wir­bel­säule bewirkt eine ver­mehr­te und vor allem eine Dau­er­kom­pres­si­on der Band­schei­ben. Die­ser anhal­ten­de Druck führt zur Über­las­tung des knor­pe­li­gen Faser­rings der Band­schei­be und damit zu mög­li­chen Ein­ris­sen. In der Fol­ge kann sich der Band­schei­ben­kern ver­la­gern und zu einer Band­schei­ben­vor­wöl­bung oder einem Band­schei­ben­vor­fall wer­den. In die­sem Pro­zess kann ein fehl­ge­stell­ter Atlas eine gro­ße Rol­le spie­len. Denn sei­ne Fehl­ro­ta­ti­on kann sich, wie beschrie­ben, abstei­gend auf die dar­un­ter­lie­gen­den Wir­bel aus­wir­ken. Auch nachts haben die durch die Fehl­stel­lung betrof­fe­nen Band­schei­ben dann weni­ger Mög­lich­keit, sich im vol­len Umfang mit Was­ser auf­zu­fül­len und ihre voll­stän­di­ge Höhe zu errei­chen, da die vom Atlas aus­ge­lös­te Fehl­ro­ta­ti­on der Wir­bel­säule auch in lie­gen­der Posi­ti­on auf­recht­erhal­ten bleibt. Dies kann die Ent­ste­hung eines Band­schei­ben­scha­dens beschleu­ni­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund kann eine Dekom­pres­si­on, also eine akti­ve Auf­rich­tung der Wir­bel­säule, eine sehr effek­ti­ve Maß­nah­me sein, um den Druck von den Band­schei­ben und dadurch auch von den Ner­ven zu neh­men. Hier­für ist die kor­rek­te Lage der Wir­bel, ins­be­son­de­re des sehr beweg­li­chen Atlas, eine wich­ti­ge Grund­vor­aus­set­zung.

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